Das Schlepziger Wappen zeigt 3 Symbole:

  • Das Eichen- und Buchenblatt ist das Sinnbild für den Spreewald, die Flora im Naturschutzgebiet. Das Eichenblatt steht für die Eiche, auch als Symbol der Stärke und des Stolzes. Das Buchenblatt steht für die Buche als Kennzeichen der Festigkeit.
     
  • Die Wetterfahne an der Kirche (1782) zeigt traditionell das Fischmotiv. Des Weiteren zeigen alle Siegel (Kirchen- und Gemeindesiegel) eindeutig einen Fisch, so auch das älteste Gemeindesiegel von 1803. Der Fisch als Zander dargestellt, ist der im Unterspreewald mit begehrteste Fisch und wird deshalb auch der Spreewaldfisch genannt. Der Fisch versinnbildlicht Gesundheit, Verschwiegenheit und Wachsamkeit.
     
  • Das halbmondförmige Netz auf silber-weißem Grund ist traditionell angelehnt an die gemeindlichen und kirchlichen Siegel. Nach mündlichen Überlieferungen nannte man das schwimmende Schleppnetz "Wate".

 

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Wenden & Sorben

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Auf der linken Seite sehen Sie die Krausnicker Tracht; während die Dame auf der rechten Seite die Schlepziger Tracht trägt.



Die friedliche Landnahme der Wenden in der Lausitz im 6.und 7 Jahrhundert

Als Resultat der Völkerwanderung gelangten seit dem 6. Jahrhundert Westslawen in das weitestgehend siedlungsleere Gebiet zwischen Ostsee und Mittelgebirge. Sie vollzogen hier die friedliche Landnahme, gründeten in den nachfolgenden Jahrhunderten Tausende von Siedlungen und machten das Land urbar. Auf dem Gebiet von elf der sechszehn heutigen deutschen Bundesländer sind die von den deutschen meist als Wenden bezeichneten Obodriten, Lutizen und Sorben als autochtone Siedler nachgewiesen.

Den sorbischen/wendischen Stämmen - erstmals urkundlich im Jahre 631 als Surbi erwähnt - gehörte das Land bis an die Saale; in Streusiedlungen gelangten sie bis an Werra und Main. Vorwiegend Ackerbau und Viehzucht, doch auch Bienenzucht, Fischfang und Jagd waren Haupterwerbszweige. Bodenfunde beweisen ein für die damalige Zeit gut entwickeltes Handwerk sowie Handelsbeziehungen, die bis ins ferne Arabien und Byzanz reichten.

Die Wendenkreuzzüge des deutschen Feudalstaates

Seit Karl dem Großen bemühte sich der deutsche Feudalstaat, die slawischen Gebiete tributpflichtig zu machen. Zur Abwehr der unter dem Vorwand der Christianisierung vorgetragenen Wendenkreuzzüge bauten die Slawen eine Vielzahl von Burgwällen. Etwa vierzig solche Wendenfestungen gab es in der Niederlausitz –eine solche Festung war der Lübbener Burglehn, der heute noch als deutliche Erhebung in Spreenähe nahe der Stadt erkennbar ist.

Die Ermordung der dreißig Wendenfürsten 939 und der Große Slawenaufstand von 963

Während sich die nördlich der Sorben lebenden obodritischen und lutizischen Wenden nach dem großen Slawenaufstand von 983 noch bis ins 12. Jahrhundert ihre politische Unabhängigkeit bewahrten, wurden fast alle sorbisch-wendischen Stämme bereits im 10. Jahrhundert endgültig unterworfen. Über den entscheidenden Wendenkreuzzug des Markgrafen Gero gegen die Niederlausitzer Sorben/Wenden im Jahr 963 n. Chr. berichtet Chronist Widukind von Corvey: "In dieser Zeit besiegte Markgraf Gero mit härtester Kampfführung die Slawen, welche sich Lusizer nennen und unterwarf sie sich vollständig, obgleich nicht ohne eigene schwere Verwundung und unter Verlust seines Neffen, des besten Mannes, und auch vieler anderer edler Männer." Bereits 939 n. Chr. hatte Gero unter Vortäuschung friedlicher Absichten dreißig Wendenfürsten zu einem Gastmahl eingeladen und nachts heimtückisch ermorden lassen, um den Slawen die Führungsschicht zu nehmen.

Erste urkundliche Erwähnung der wendischen Dörfer im Unterspreewald

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurde die deutsche Ostexpansion durch den polnischen Herzog und späteren König Boleslaw Chrobry unterbrochen. König Heinrich II. musste die Lausitz und die Mark Meißen bis zur Schwarzen Elster wieder abtreten. In eben diese Zeit fällt die erste urkundliche Erwähnung der wendischen Dörfer im Unterspreewald (Liubsi (Leibsch), Krusica (Krausnick) und Zloupisti (Schlepzig) am 08. August 1004. Erst 1032 gelang es den deutschen Feudalen das Lausitzer Wendenland wieder ihrer Herrschaft unter zu ordnen.

Die Christianisierung der wendischen Bevölkerung

Der militärischen Unterwerfung folgte die erzwungene Christianisierung der wendischen Bevölkerung und es gab Vertreibungen, als in der zweiten Etappe der deutschen Ostkolonisation im 12. / 13. Jahrhundert Tausende Siedler ins Wendenland gerufen wurden. "Die Heiden sind zwar verworfen, aber ihr Land ist erstaunlich reich an Fleisch, an Honig, an Mehl, an Vögeln: Deswegen, Sachsen, Franken, Lothringer, Flamen, ihr berühmten Weltbezwinger, auf! Hier könnt ihr Euer Seelenheil erwerben und wenn es Euch gefällt, noch das beste Siedelland dazu!" heißt es in einem Magdeburger Aufruf von 1108. Klöster und Städte wurden gegründet, die oft zu Zentren der Ausbeutung, Unterdrückung, Diskriminierung und Germanisierung der wendischen Bevölkerung wurden.

Es ist ein geschichtliches Wunder, dass sich in Teilen der Nieder- und Oberlausitz die sorbischen Wenden bis in die Gegenwart Sprache, Brauchtum und ethnisches Bewusstsein bewahren konnten, während die wendischen Sprachen der Lutizen und Obodriten seit mehreren Jahrhunderten ausgestorben sind. Dabei steht das Obersorbisch-Wendische dem Tschechischen näher, das Niedersorbisch-Wendische ist in manchen Merkmalen dem Polnischen nahestehend.

Wende oder Sorbe?

An der nur im Deutschen existierenden traditionellen Bezeichnung "Wende" bzw. "wendisch" möchten manche der slawischen Ureinwohner in der Oberlausitz und sehr viele in der Niederlausitz festhalten. Die latinisierten Formen "Sorbe" bzw. "sorbisch" sind ebenfalls sehr alt. Sie entstanden aus der -niederwendisch und oberwendisch identischen - Eigenbezeichnung "Serb" und "serbski", werden aber von vielen als vermeintlich in der DDR erfunden angesehen und oftmals strikt abgelehnt. Die Befindlichkeiten der Menschen zu achten, ist aber sehr wichtig. Der Gesetzgeber hat deshalb Bekenntnis und Begriffswahl im Brandenburgischen Sorben/Wenden-Gesetz von 1994 frei gestellt.

Im Amt Unterspreewald werden wieder die wendische Sprache gesprochen, wendische Zeitungen gelesen und sorbischer Rundfunk gehört. Einige Kinder aus dem Unterspreewald besuchen derzeit das Niedersorbische Gymnasium Cottbus und wachsen damit wieder zweisprachig auf. Eine Familie bietet wendische Kahnfahrten mit wendischer Tracht in Schlepzig an, es werden weiterhin zweisprachige Dorf- und Geschichtsführungen in Deutsch/Wendisch ebenfalls in Schlepzig angeboten.

Wendische Orts- und Familiennamen

Das ererbte wendische Brauchtum aber lebt in der Region weiter. Auch viele Orts-, Flur- und Gewässernamen sind wendischen Ursprungs. Typisch wendisch sind viele Familiennamen unseres Gebietes wie Budich, Laurisch, Schmogrow, Belaschk, Domke, Lukas, Buschick, Tschiersch, Zech, Nischan, Lenigk, Kossatz, Noack und zahlreiche weitere. Manche, wie der Name Schuppan, belegen sogar die Abstammung von einem wendischen Adeligen!

Solche Namen bezeugen die wendischen Wurzeln unserer Landsleute, die also direkte Nachkommen der seit fast anderthalb Jahrtausenden hier siedelnden Lausitzer Ureinwohner sind. Die Identifizierung mit der eigenen, wendisch-deutschen Geschichte zu fördern, ist ein Anliegen der Gesellschaft.

Erhalt der wendischen Sprache

Mit dem Witaj-Projekt wird z.B. die Revitalisierung der niederwendischen/niedersorbischen Sprache und die Zweisprachigekeit der Jüngsten gefördert, die übrigens ihren einsprachigen Altersgefährten, wie Untersuchungen zeigten, in der Sprachentwicklung deutlich voraus sind.

Die Saga über den Wendenfürsten Wussilo hier zum Nachlesen.

Die Visionen des Geistessehers Handros aus Schlepzig
(Nach einem Bericht des Lübbener Offizials M.Joachim Stigius von 1614, in: Niederlausitzer Mitteilungen, Bd. IV (1895), S. 150-167)

In den sechs Jahrzehnten nach 1555 n. Chr. rebellierte die wendische Bevölkerung gegen die unterdrückende Herrschaft der Oberlausitzer Stände. Auch die Niederlausitzer Stände hatten Ängste vor einem wirtschaftlichen Ruin, da sich die Bevölkerung auf dem Lande den Contributionen (Frohn- und Spanndienste) zu entziehen versuchte.

Am 14. Juli 1614 erschien zur Zeit des Landtags in Lübben ein Bauersknecht aus dem Dorfe Schlepzig mit einer geheimnisvollen Botschaft an den Offizial, den obersten kirchlichen Würdenträger des Landes. Nach amtlicher Feststellung der Personalien war der Bote aus Beeskow gebürtig, wo sein verstorbener Vater Torwärter gewesen war; ferner war er der deutschen Sprache völlig unkundig und nur mit dem Namen Handros bekannt. Ein frommer Lebenswandel konnte ihm bestätigt werden. Seine Visionen forderten für das gedrückte Landvolk Erleichterung der Fronden und Rückgabe der Schuldpfänder; in der Stadt mahnten sie zur Herabsetzung der Lebensmittelpreise zugunsten der Armen.

Insbesondere drohte er den Gutsherrschaften mit Strafen der Hölle, sofern sie die Leibeigenen sonntags zur Arbeit zwangen oder ihnen sonst wie ungebührlich zusetzten. Weltliche und kirchliche Offizianten aber erinnerte er an ihre moralischen Pflichten. Nach einigen Anfangserfolgen steigerten sich derartige Visionen, bis Handros schließlich mit einer Offenbarung an die kaiserliche Majestät nach Lübben kam. So fand es die Behörde, die schon lange Verdacht geschöpft hatte, nunmehr an der Zeit, den Visionen ein Ende zu setzen.

 

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